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Männergesangverein Eintracht

Der MGV 2010
Der MGV 2010

Vereinsgeschichte des MGV "Eintracht" Presberg 1889

Lesen wir hier die Geschichte des Vereins, erzählt von Herrn Heinrich Bock:
Der MGV "Eintracht" Presberg 1889 ist der älteste Kulturträger unserer Gemeinde. Deshalb gilt es auch vor allem, Rückschau zu halten und in Erinnerung zu bringen, was längstvergessen scheint. Es gibt ja niemanden mehr, der diese 100 Jahre erlebt hat. Und so bin auch ich angewiesen auf mündliche Überlieferungen, die in früheren Festschriften niedergeschrieben wurden, sowie auf Urkunden, die die Teilnahme an Gesangswettstreiten und Wertungssingen belegen. So will ich mich bemühen, den Lebensweg des MGV "Eintracht" Presberg 1889 aufzuzeichnen:
Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Zeit, in der überall in den deutschen Gauen sich Vereine bildeten, die sich zur Aufgabe machten, das deutsche Lied, vor allem das Volkslied, im Chorgesang zu pflegen. So fanden sich am 1.1.1889, fünf sangesfreudige Männerunserer Gemeinde, auf Wunsch der geistlichen und weltlichen Behörde zusammen, um dem Ehepaar Ph. Wallmach zur Feier der goldenen Hochzeit ein Ständchen zu bringen. Weil diese Liedervorträge großen Anklang fanden, beschloss man, einen Gesangverein zu gründen.
Als Gründungsmitglieder des Vereins sind bekannt:
Peter Schuld, Jakob Schuld, Jakob Kißner, Josef Fuhr, Anton Schimbach, Peter Schuster, August Perscheid, Philipp Keiper, Peter Kempenich, Peter Müller, Jakob Müller und Jakob Petry.
Zum ersten Vorsitzenden wurde Peter Schuld gewählt. Als Dirigent fungierte der Presberger Landwirt und Musiker Jakob Kißner. Dem Verein gab man den Namen "Eintracht" Presberg 1889. In Eintracht wollte man zusammenstehen das deutsche Lied zu pflegen.
Von nun an wurden regelmäßig Gesangsstunden abgehalten und zwar im Hause des Mitgliedes Anton Schimbach. So wagte der Verein seine ersten Schritte in der Öffentlichkeit und die Bevölkerung Presbergs dankte es ihm mit Spenden für eine Vereinsfahne. Unter dem damaligen Bürgermeister Ph. Keiper fand der Verein recht gute Unterstützung von seiten der Gemeinde. Bereits im Jahr 1890 konnte die Vereinsfahne eingeweiht werden. Mit goldenen Lettern war als Wahlspruch auf die Fahne geschrieben: "In Freud und Leid zum Lied bereit".
Bei allen wichtigen Anlässen trat nun der Verein auf, um die Teilnehmer durch passende Lieder zu erfreuen, so wenn es galt, einen Jubilar zu ehren, Begeisterung zu wecken für Heimat und Vaterland, Abschied zu nehmen oder einem lieben Verstorbenen ein Grablied zu singen. Auch bei hohen kirchlichen Festen fand sich der Verein bereit, den Gottesdienst zu verschönern.
Unter dieser Fahne und durch neue Mitglieder gestärkt, ging es dann aufwärts. Vereinslokal war nun die Gaststätte "Grüner Wald". In den Wintermonaten sorgte der Verein für kulturelles Leben, sei es mit Konzerten oder sonstigen gesanglichen Darbietungen oder auch mit Theateraufführungen. Manche lustigen Schwänke und Duetts sind den älteren Generationen noch in Erinnerung. Als 1914 der 1. Weltkriegausbrach, wurde dem Wirken des Vereins ein jähes Ende gesetzt. Mehr als die Hälfte der Sänger wurde zu den Waffen gerufen und 5 von ihnen mussten sogar ihr Leben opfern. Nach Kriegsende 1918 nahm der Verein unter der Leitung seines bewährten Dirigenten Kißner die Arbeit wieder auf. Den Vorsitz übernahm nun Herr August Perscheid, ein Gründungsmitglied. Die ersten Gesangsstunden wurden im Hause Valentin Korn abgehalten. Als die Sängerzahl wieder wuchs, übte man zunächst im Gasthaus Schwan. Nach weiteren zwei Jahren wechselte man wieder in das Gasthaus "Grüner Wald" über. Man änderte sogar die Satzung, um junge Männer unter 18 Jahren aufnehmen zu können, was vorher nicht möglich war.
Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg war eine Blütezeit für den MGV "Eintracht".
Als Mitglied im Rheingauer Sängerbund nahm der Verein außer an den üblichen Freundschaftssingen auch an Gesangswettstreiten und Wertungssingen teil. Beim Wertungssingen 1921, beim Liederkranz Geisenheim, bekam der Verein die Note gut. 1922 beim Gesangswettstreit in Nastätten nahm man den 2. Preis mit nach Hause. 1926 beim Wertungssingen der Sängervereinigung Niederwalluf belegte der Verein auch den 2. Preis und 1927 in Bad Schwalbach den 3. Preis im Klassensingen. Die Urkunden werden heute noch im Vereinslokal aufbewahrt und zeugen von der regen Aktivität des MGV "Eintracht" 1889. Im Jahre 1936 legte Herr Jakob Kißner aus Gesundheitsgründen und wegen seines hohen Alters den Dirigentenstab nieder. Im Januar 1937 gaben ihm der MGV Eintracht Presberg und der MGV Cäcilia Aulhausen, deren Dirigent er auch ein Jahr war, das letzte Geleit.
Wenn man von Idealisten spricht, muss man Herrn Kißner an erster Stelle nennen, denn 48 Jahre stellte er sich als Dirigent dem MGV "Eintracht" Presberg unentgeltlich zur Verfügung. Nachfolger im Dirigenten-Amt wurde nun der Sangesbruder und Musiker Peter Müller - wieder ein Mann aus den eigenen Reihen.
Den Vorsitz übernahm Peter Schimbach. Unter der Leitung des Dirigenten Müller, brachte der Verein wieder gute Leistungen. Am 05. und 06. Juni 1939 feierte der Verein unter Teilnahme zahlreicher Gastvereine sein 50-jähriges Bestehen. Leider sind aus den ersten 50 Jahren keine schriftlichen Unterlagen mehr vorhanden. Auch hatte man damals noch keine Festschrift. Ich kann mich nur noch erinnern, dass das Gründungsmitglied und einziger noch aktive Sänger, August Perscheid, die Chronik der 50 Jahre in allen Einzelheiten mündlich vorstellte. Aber als 17-jähriger Sänger hatte man damals andere Gedanken, als trockene Reden zu hören, was ich heute leider bedauere, denn so manches aus diesen Ausführungen könnte ich heute bestimmt gebrauchen...
Einige ältere und ehemalige Sänger habe ich vor einigen Jahren interviewt und ihre Berichte auf Tonband aufgenommen. Aber alle diese Männer traten erst nach dem ersten Weltkrieg dem Verein bei und konnten über frühere Zeiten nicht berichten.

Als kurze Zeit später der 2. Weltkrieg ausbrach, musste ein großer Teil der Sänger einrücken. Auch diesmal ließen wieder viele auf dem Schlachtfeld ihr Leben. 1946 kehrte Herr Müller aus der Gefangenschaft zurück und begann sofort wieder das Vereinsleben zu aktivieren. Im Jahre 1949 feierte man die 60-jährige aktive Mitgliedschaft des Gründungsmitglieds August Perscheid und für 50-jährige aktive Mitgliedschaft Herrn Franz Korn. Im Jahre 1950 übernahm Herr Lorenz Kißner für 2 Jahre das Amt des ersten Vorsitzenden. In diesem Jahr erfolgte der Umzug in das Gasthaus "König". Wie überall in der Geschichte Höhen und Tiefen festzustellen sind, so war auch der MGV "Eintracht" Presberg davon nicht verschont geblieben. Eine solche Krise veranlasste Herrn Müller, 1952 den Dirigentenstab niederzulegen. Unter dem Vorsitz des Herrn Jakob Horlaville folgte als Dirigent Herr Kongehl aus Oestrich. Schon 1953 übernahm der damals 21-jährige Hans Schweikart aus Johannisberg das Dirigentenamt und führte mit sicherer Hand den Verein zu einem gewaltigen Aufstieg. In den nun folgenden Jahren veranstaltete der Verein unter seiner Leitung mehrere gut gelungene Konzerte und nahm mit Erfolg an zahlreichen Jubiläums- und Sängerfesten teil.
Durch die rege Aktivität des Vereins stieg die gesamte Mitgliederzahl erstmals über 100.
Die Vereinsfahne aus dem Jahr 1890 war mittlerweile so brüchig geworden, dass man sie kaum noch benutzen konnte. Herr Alois Kißner (1. Vorsitzender von 1956 bis 1959) brachte während seiner Amtszeit die Diskussion um eine neue Vereinsfahne immer wieder in Gang.
Horst Sohns1960 übernahm den Vorsitz der damals 22-jährige Horst Sohns. Mit dem Elan seiner Jugend ging er an die Verwirklichung des Vorhabens. In dem damaligen Jagdpächter, Herrn Albert Klein aus Wiesbaden, fand man einen bereitwilligen Spender. Am 23. und 24. Juni 1962 konnte man unter Mitwirkung von 16 Gastvereinen die neue Fahne einweihen.
Vom 20. bis 22. Juni 1964 feierte der Verein unter Mitwirkung von 30 Gastvereinen sein 75-jähriges Bestehen. Dabei konnten wieder eine Anzahl Sänger für 40-jährige aktive Mitarbeit ausgezeichnet werden. Bedingt durch seine berufliche Laufbahn, (Wegzug von Presberg) musste Horst Sohns den Vorsitz niederlegen.
Ihm folgte von 1967 bis 1971 Herr Paul Scholl. In seiner Amtszeit beging der Verein sein 80-jähriges Jubiläum. Im neu erbauten Bürgerhaus haben am 18.und 19. Oktober 1969 zwölf Gastvereine ihre Darbietungen vorgetragen.
Ab 1971 übernahm Herr Günther Klaus den Vorsitz. Im Jahre 1973 trennten sich Dirigent Schweikart und der MGV "Eintracht" in beiderseitigem Einverständnis nach genau 20-jähriger Zusammenarbeit.
Von Juni 1973 dirigierte Herr Theo Blum aus Kloppenheim den Verein. 1975 war es ihm aus beruflichen Gründen nicht mehr möglich, für den Verein tätig zu sein.
Im Juni 1975 konnte Herr Horst Bastian aus Espenschied als Dirigent gewonnen werden. Ihm ist es gelungen, ein vorhandenes Tief zu überwinden und den Verein zu einer Chorgemeinschaft zu formen, die den Anforderungen des deutschen Chorgesanges gerecht wird. 1977 war es möglich, die alte Vereinsfahne noch einmalrestaurieren zu lassen. Sie soll auch weiterhin bei Veranstaltungen des Vereins ihren Ehrenplatz erhalten.
Im Jahre 1979 feierte der Verein unter Mitwirkung von 30 Gastvereinen sein 90-jähriges Bestehen. Dieses gelungene Fest gab dem Verein wieder neuen Schwung und er gelangte so zu neuer Blüte.

Seit vielen Jahren ist es in Presberg Brauch, dass bei allen 80. Geburtstagen, bei goldenen Hochzeiten, am Volkstrauertag beim Ehrenmal, bei Seniorenfeiern und in der Weihnachtsmette der Verein mit Liedervorträgen die Feiern verschönert.
In den letzten 10 bis 15 Jahren trat der Verein jährlich 20 bis 30 Mal öffentlich auf. War es bei vorgenannten Feiern oder bei Sängerfesten und Freundschaftssingen oder bei Liederabenden des eigenen oder befreundeter Chöre, sowie bei Beerdigungen von Vereinsmitgliedern.
Peter KlausIm Jahre 1983 übernahm den Vorsitz Herr Peter Klaus. Man verjüngte den gesamten Vorstand mit der Absicht, dass junge Menschen den Verein weiter zur 100-Jahr-Feier führen sollten. Dies ist auch in guter Zusammenarbeit gelungen.
1984 konnte Herr Karl Kessler für 60-jährige und Herr Adolf Lippert für 50-jährige aktive Sängertätigkeit ausgezeichnet werden. Ebenso im Jahre 1986 Herr Ewald Müller für 50-jähriges Singen.

Möge der Geist, der seit 100 Jahren die Herzen der Presberger beseelte, auch in der Zukunft weiterleben und reiche Frucht tragen auf dem Boden des deutschen Chorgesanges. Das sind die mir bekannten Stationen aus der Geschichte des MGV "Eintracht" Presberg, die eine Vielzahl von Mühen und Sorgen, andererseits aber auch Belohnung, Dank und Freude in sich bergen.

Dem Männergesangverein "Eintracht" Presberg 1889 mit seinen 34 aktiven und 145 passiven sowie den 10 Ehrenmitgliedern, wünsche ich weiterhin Erfolg auf allen Wegen.

Heinrich Bock († 2006)

Jüngere Geschichte des Vereins nach der Hundertjahr-Feier