Der Hymnus des Sommers verklang,
bald schäumt der Most in der Tonne;
die müde Septembersonne
beschaut sich im Wellenspiegel
und lächelt am Rebenhang.
Da kommen die gläubigen Scharen
zu Eibingens Tempel gefahren
man betet und singt,
und Rochus von drüben
den Pilgerhut schwingt.
Ein Kohlendampfer stampft träge,
der Rheinstrom lauscht,
seine Welle rauscht
das Wort vom Wissen der Wege.
Und eine Welle die andere treibt
stets weiter wie seit Äonen
Sankt Hilda aber, die Seherin schreibt
von herrlichen Visionen.
Die Grafentochter von Böckelheim
war früh vertraut mit Bibel und Reim.
Heilkundig hat Hilda in Liebe
wohl Zeile an Zeile gereiht,
was heut noch im tollen Getriebe
der Technik die Seelen erfreut.
Zu Höherem schuf sie die Hand des Herrn,
drum war sie Verirrten ein leuchtender Stern.
Drüben steht die Rochuskapelle, an der Außenwand eine Pieta, in kunstvoller Schmiedearbeit zeigt sie die Namen derer, die am Osterdienstag zum fröhlichen Feiern hier oben versammelt waren und im Rhein bei der Heimfahrt ihr Wellengrab gefunden haben. Sechzehn waren es, deren Ende tiefe Trauer im Rheinland auslöste.